| Józef Borzęcki,
geboren am 19.03.1928 in Olszany /
Kreis Nowy Sącz, beendete die Ausbildung im Staatlichen
Lyzeum der Mechanik, Fachrichtung Konstruktion in Wrocław.
Die erste Konstruktion von Józef Borzęcki war der
Motorsegler Stratus. Der Konstrukteur war der erste Amateurkonstrukteur im
Nachkriegspolen. Der Konstrukteur hat die Entwicklung 1952 begonnen und 1961
konnte der "Stratus" eingeflogen werden. Man muss bedenken, dass es in diesen
düsteren kommunistischen Zeichen eine verbotene Initiative war und der
begeisterte Konstrukteur machte sich Strafbar. Das untere Bild vom "Stratus" im
Flug ist während des Einfliegens 1961 entstanden. Auf einem anderen Foto ist der
"Śniegolot"
zu sehen, es war eine Variante des Fahrwerks um aus dem Schnee zu starten.
In der ganzen Zeit zwischen 1961 und 1966
flog der Konstrukteur mit dem "Stratus" geheim.
Am Ende der 60er Jahre wurde der
Stratus einem weitgehenden Umbau unterzogen. Der Konstrukteur hat einen
verschrotteten Komar gekauft und zu dem Stratusrumpf die Komarflächen angepasst.
Gleichzeitig hat der aus zwei Anlassermotoren Typ Rydel einen
Vierzylinder-Zweitaktboxer gebaut und in seinem Motorsegler eingesetzt.

Der so
umgebaute "Stratus" ist auf "Altostratus" umbenannt worden. Auf einem folgenden Bild
ist der "Altostratus" mit seinem Konstrukteur auf einem Fliegertreff in Wroclaw
1975 zu sehen. 1967 hat
Józef Borzęcki
eine Auszeichnung "Błękitne Skrzydła" (Blaue Schwingen)
erhalten. In den folgenden Jahren wurde er zum Ausschuss für
Amateurkonstruktionen vom Polnischen Aeroclub gewählt. Der Altostratus ist bis
1982 benutzt worden. Die letzte Konstruktion von Herrn Borzęcki
war ein Ultraleichtflugzeug JB4 "Skowronek" (Siehe Foto mit eigenhändigen Notizen
des Konstrukteurs). Bei einem der ersten Flüge am 14.10.1990 brach auf 200
Metern Höhe der linke Flügel und der Konstrukteur ist tödlich verunglückt.
Der Konstrukteur, wie sich seine
Witwe erinnert, folgte sein ganzes Leben folgenden Mottos:
"Der Drang eigene Flügel zu
besitzen gebärt wenn jemand sich gefangen fühlt."
"Jeder Flug gibt ein bisschen Freiheitsgefühl."
"Wenn ich ein Flugzeug baue habe
ich das Gefühl, als ob ich Gefängnisgitter zersäge"
1980 hat der Verlag
Ossolineum-Wrocław ein Buch des Konstrukteurs herausgegeben
"Na własnych skrzydłach"
(auf eigenen Flügeln).
Hier noch
Bemerkungen und Informationen, die mir Herr Zbigniew Bogusz - Freund und Helfer
von Herrn Borzęcki - zugeschickt hat:
"STRATUS"
-
Die ersten Starts wurden
durchgeführt, während der "Stratus" durch einen kleinen tschechischen
Motorsägen-Motor "Pilana" angetrieben wurde. Aufgrund der sehr geringen
Motorkraft, die gerade für den geraden Flug ausreichte, haben wir Gummiseile
als Starthilfe benutzt.
- Die
Gummiseile wurden an großen Stahlheringen befestigt, die tief in die Erde
eingeschlagen waren und die Spannung der Seile erfolgte mit Hilfe einer VW
Amphibie
(Kübelwagen) aus dem zweiten
Weltkrieg, der wiederaufgebaut wurde nachdem er aus einem See geborgen war.
- Ein mal kam
während des Spannens des Seils der Hering aus dem Boden und verursachte so
fast einen Unfall. Das beschleunigte die Entscheidung, einen kräftigeren Motor
einzusetzen.
- Der Rumpf war
im Ganzen aus Handgewickeltem Aluminiumrohr aus Handgenietetem Blech
gefertigt. Die Aluminumnieten in Mengen von ca. 1400 Stück wurden ebenso von
Hand aus einer Aluminumleitung, die wir auf einer Müllhalde gefunden haben,
selbst hergestellt. Das allein hat uns ein paar Monate Arbeit gekostet.
- Der "Stratus"
war eine von nicht vielen Konstruktionen, die mit V-Leitwerk ausgestattet
waren. Das V-Leitwerk ist eingesetzt worden um Gewicht, Kosten und Arbeitszeit
zu sparen.
- Ursprünglich
hatte der "Stratus" eine klassische Steueranordnung (Steuerknüppel und Pedale).
Später hat der Konstrukteur so genannte "kombinierte" Steueranordnung
eingesetzt, so dass das Seitenruder mit den Querrudern über den Steuerknüppel
gesteuert wurden. Das Prinzip ist auf der Skizze unten abgebildet.
"ALTOSTRATUS"
-
Der komplette Rumpf und Leitwerk
wurden ohne Veränderungen vom Stratus übernommen. Jedoch bekam die
modernisierte Konstruktion einen neuen Antrieb, ein eigenhändig
zusammengebauter 4-Zylinder 2-Takter (Boxer), der aus zwei Rydel-Motoren
entstanden ist (der Motor hatte die Bezeichnung RB bekommen, von Rydel-Borzęcki).
- Die
Stratustragflächen (von einem Kranich) wurden durch leichtere vom
Segelflugzeug "Komar" ersetzt.
- Die
Konstruktion war optimiert für schnelleres und einfaches Zusammen- und
Auseinanderbauen (flugfähig - transportfähig). Um das zu erleichtern, hat man
einen konischen Stahlzapfen in der Mitte des Rumpfes eingebaut, auf dem der
Reihe nach Metallaugen, die an Träger der Flächen montiert waren, eingesetzt
wurden. Die Anlenkung des V-Leitwerks hatte auch Schnellverschlüsse eingebaut.
- Die
Rekordzeit um den "Altostratus" vom transport- bis flugfertig zu machen betrug 5
Minuten und 12 Sekunden, die ich mit der Stoppuhr aufgenommen habe. Ich selbst
brauchte nach kurzem Training 7 bis 8 Minuten.
- Beim
"Altostratus" konnte man während des Fluges den Motor abstellen und ihn mit
Hilfe eines mechanischen Seilzugs wieder anlassen, der auf einer Federtrommel
aufgewickelt war. Die Trommel saß auf der Kurbelwelle. Der ganze Mechanismus
befand sich in der Kabine an Stelle der Pedale. Das System ist viel in der
Luft mit Erfolg eingesetzt worden, was eine enorme Treibstoffersparnis an den
thermikreichen Tagen gebracht hat.
- Die
Konstruktion war auch im Winter mit am Fahrwerk angeschnallten Skiern
flugfertig.
- Eine
interessante, obwohl nicht gewollte Veränderung des Seglerverhaltens ist, nach
dem die neue Fläche eingesetzt wurde, eingetreten. Bei niedriger
Geschwindigkeit hatte der "Altostratus" die Tendenz zum "Windrichtungszeiger" zu
werden. Wie eine Fahne drehte er sich, sobald eine kräftige Seitenwindböe ihn
beim Aus- oder Anrollen mit niedriger Geschwindigkeit erwischt hatte. Je
schneller er wurde, desto weniger empfindlich reagierte er. Das hatte keine
Probleme auf Grasbahnen verursacht, aber lästig und gefährlich war es beim
Crosswindstart oder Landung auf Asphalt.
Und hier noch Links zur Seite über
Józef Borzęcki:
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und
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